Feb. 26
26

„Davon haben wir nicht gewußt“, das war die Ausrede vieler Deutscher nach dem 2. Weltkrieg. Die Deutschen hatten Millionen (meist Juden) systematisch und in industriellem Maßstab in KZs vernichtet und damit ein bis heute – Ausnahme Syrien – einmaliges Menschheitsverbrechen begangen. Weiterhin wüteten die Deutschen in ihrem Größenwahn insbesondere in der Ukraine, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, zerstörten Städte, Dörfer und Industrieanlagen, vertrieben Millionen.

Was wir aber heute alle ganz sicher wissen: die russische Diktatur hat die ukrainische Demokratie vor 12 Jahren überfallen und vor 4 Jahren eine riesige Invasion gegen das Land gestartet. 20.000 ukrainische Waisenkinder wurden nach Russland entführt und werden dort zu einer Art antieuropäischen Robotern indoktriniert. 100.000de sind in diesem Krieg mitten in Europa bereits gestorben, Millionen geflüchtet. Nachdem Russland Tschetchenien in den 1990ern niedergewalzt hat, 2008 in Georgien eingefallen war, in den 2010er Jahren Syrien mit Hilfe Assad’s in Schutt und Asche gelegt hat, 2020 in seinem Satellitenstaat Belarus eine Repressionswelle sondergleichen orchestriert hat, macht es jetzt die Städte, Dörfer und Industrieanlagen der Ukraine dem Erdboden gleich. Am 4. Jahrestag der großen russischen Invasion gegen die Ukraine kann niemand mehr sagen: „davon haben wir nichts gewußt.“
Wir Deutschen tragen gerade wegen unserer Geschichte Verantwortung gegenüber der ukrainischen Demokratie. Wir sind in der Pflicht. Während das imperialistische Russland komplett auf Kriegswirtschaft umgestellt hat und sich auf einen noch größeren Krieg gegen Europa vorbereitet, verteidigen die Ukrainer*innen unser Wohlergehen, unsere Freiheit.

Im Sinne dieser Pflicht habe ich bei Wind und Regen an der Demo zum 4. Jahrestag der russischen Vollinvasion gegen die Ukraine auf dem Münchner Marienplatz teilgenommen. ca. 1000 weitere Menschen, Vertreter*innen aller großen deutschen, demokratischen Parteien, viele Deutsche, einige Syrer und Iraner, sowie Georgier und Belarussen und natürlich viele Ukrainer*innen nahmen teil. Alle Anwesenden wußten, dass Russland der (blutrote) Elefant im Raum ist und dass wir uns dagegen wehren müßen.
Feb. 26
12

Als junger (und naiver) Mann bin ich gerne auf Punkkonzerte gegangen. Dort wurde wild um die Wette getanzt besser: herumgesprungen. Dieser Tanzstil nennt sich Pogo. Nach ihm wurde ein spezieller Move im NewSchool Bouldern benannt, ein Fusskick mit dessen Hilfe ein weiter Zug im Überhang trickreich überwunden wird.
Manche sagen, dass Alte wieder so werden, wie sie als junge Menschen einmal waren. Was liegt da näher als zum 60ten Geburtstag einem richtig fetten Punkkonzert einen Besuch abzustatten?

Als ich hörte, dass die schon zu meiner Jugendzeit berühmte deutsche Punkband Slime (einige ihrer Lyrics sind indiziert) mit der einstmals ebenso berühmten schottischen Punkband Exploited gemeinsam im Wizeman in Stuttgart auftreten, war mein Entschluss gefasst. Dem letzten Exploited-konzert hatte ich 1986 im damaligen Szeneviertel München-Haidhausen beigewohnt und mir mitten im wildesten Pogogehopse eine massiv brennende Ladung Tränengas eingefangen. Mehrere Teilnehmende mussten verletzt von den Sanitätern versorgt werden. Es folgte eine wüste Schlägerei, ansonsten war es ein Highlight der Münchner Punkszene. Gut möglich, dass ein heute bekannter Münchner Kletterarzt ebenfalls zugegen war.
Wattie, der Sänger von Exploited, ist in etwa meine Altersklasse und kann bereits auf zwei bis drei Herzattacken während laufendem Auftritt vor Publikum zurückblicken. Auch die beiden Gitarristen und der Sänger von Slime spielten schon in den 1970/80er Jahren auf bundesdeutschen Konzertbühnen zum Pogo auf. Damals lauerte der Postfaschismus an jeder zweiten Strassenecke und wir Jungen demonstrierten offensiv eine radikale Grundhaltung gegenüber der alltäglichen rassistischen Gesinnung weiter Teile der deutschen Gesellschaft. Im Punklook aufzutreten hieß damals dem deutschen Nazispießer öffentlich und in aller Deutlichkeit den Mittelfinger zu zeigen. Angesichts der Umfrageergebnisse für die antisemitisch-rassistisch-nationalistische AfD ist das sogar wieder brandaktuell.

Ich kann mit einigen der Lyrics von Exploited und Slime im Gegensatz zu damals gar nichts anfangen (z.B. Fuck the USA oder A.C.A.B.), aber was solls: Punk ist Punk und eine ordentliche Portion Provokation gehört selbstverständlich dazu. Um mich in die richtige Stimmung zu bringen (und um – ähem, peinlich, peinlich – nicht aufzufallen), hatte ich mir anläßlich meines Revivalbesuches sogar extra meine Haare ein bischen „rattig“ eingefärbt.
Als ich mich unter die Fans mischte musste ich jedoch feststellen, dass sich nur wenige Dutzend „echte“, zumeist recht junge Punx zum Stelldichein eingefunden hatten. Tatsächlich dominierten zu meiner Überraschung hauptsächlich graumelierte Herren in meiner Altersklasse die Räumlichkeit. In keiner deutschen Großstadt würden die hier versammelten „Ex-Punk-Opis“ irgendwie auffallen und in der U-Bahn würde selbstverständlich jeder dieser freundlichen Herren mit Bierbauch unaufgefordert seinen Fahrschein vorzeigen – zumindest war das mein Eindruck. Die hatten wohl alle die selbe Idee wie ich: kurz mal wieder in das längst vergessene Gefühl von grenzenloser Freiheit (und Verantwortungslosigkeit?) eintauchen, wenn Wattie & Co die Hölle zur Explosion bringen.
Wilden Pogo tanzten nur die Jungen vorne an der Bühne, denn bei den meisten Anwesenden hätten sicherlich die Gelenke den Dienst versagt. Wenn dann doch mal wer ein Stagediving wagte, dann wurde er am hinteren Ende des Saales sanft und unbeschadet wieder ausgespuckt. Kein Chaos, kein Tränengas, keine Schlägerei wie ehedem, alles lief im voll kontrollierten Bereich ab. Das „gesetzte Publikum“ beobachtete derweil amüsiert das wilde Treiben der Jungpunx und genoss darüberhinaus das anerkennenswerter Weise stilechte Ambiente der Bands. Ich hatte den Eindruck, dass ich nicht der Einzige bin, der sich anlässlich des Gigs die grauen Haare eingefärbt hatte. So viel zum Vibe dieses Revivals.
Neben der Unbekümmertheit, mit der Wattie zum umstrittensten Exploited Song „Sex & Violence“ die anwesenden Damen und Herren zum Pogo auf die Bühne bat, beeindruckte mich am meisten der Schlagzeuger Alex Schwers von Slime, der wohl zu den bedeutendsten deutschen Rock-Schlagzeugern zählt.
Als der ganze Saal mit Slime auf „Lasst uns niemals sein wie die“ gefolgt von „Ihr seid nichts als linke Spießer“ einstimmte, war ich hin- und hergerissen zwischen enthusiastischem Mitsingen und der Frage: könnten sich die beiden Songs irgendwie auch auf mich beziehen und zwar genau andersherum als ich sie verstand?
Alles in allem: es war ein fantastischer Abend, den ich nicht missen möchte. Ach ja und was noch erwähnt werden muss: AfD Nazis Fuck Off – keine Frage!
Fotos: Markus Kroha (BFB) und Nils Schützenberger

Erneut war ich als Jurypräsident auf der Bayerischen Bouldermeisterschaft am 7.2. im Einsatz. Dieses Mal war die U15 mit am Start, was die Veranstaltung deutlich in die Länge zog (ca. 130 Teilnehmende). Dennoch war Spannung und Spaß garantiert, dank eines hervorragend agierenden Memminger DAV-Helferteams. Die Routenbauenden hatten absolut passende Probleme geschraubt und damit den richtigen Rahmen geschaffen für die Bayerische Meisterschaft, die zugleich auch Qualifizierungswettkampf für die Deutschen Wettkämpfe ist.



DAV-Schiri Birgit Weiß und Delegate Ralf Kautzner vom Bergsportfachverband Bayern (BFB) unterstützten mich hervorragend bei meinem Einsatz.








Bilder auf der Hompage des BFB
Jan. 26
3

Das Jahr fängt gut an. Nach viel kleinteiliger Vorarbeit gelang mir heute Space Hopper (8a+), eine boulderlastige 15 m Route am herrlich gelegenen Panoramawandl in Achleiten. Fast alle meiner schweren Routen sind mir nur mit einem relativ hohen taktischen Aufwand (s. Toposkizze) gelungen. Fast immer waren zuletzt jedoch gute Vor-Ort-Verhältnisse (Temperatur, Wind, Sonne/Schatten) und die mentale Vorarbeit entscheidend. So auch dieses Mal, als ich bei fast „Prime Conditions“ nach einem sauberen Rotpunkt-Durchstieg erstmals den Umlenker clippen konnte.
Dez. 25
20

Seit über 40 Jahren besuche ich mit Kletterschuhen die schöne Mittelmeerinsel Sardinien. Bei meinem ersten Besuch 1983 war ich sicherlich ein Exot. Ich boulderte an ein paar Granitblöcken während mir schwarz gekleidete Alte kopfschüttelnd zusahen.

1990 war ich ein zweites Mal auf Sardinien, inzwischen gab es die ersten Sportkletterrouten. Dieses Mal hatte ich sogar ein Seil auf meine Vespa gepackt. Es existierte nur ein rudimentärer Topo-Guide mit ein paar simplen Skizzen. Ich kletterte damals im Top Gebiet Punta Pilocca und im Gennargentu (Zentralgebirge) bis 6b+.

Seitdem ist viel passiert, was Klettern in Sardinien angeht. Die Insel im thyrrenischen Meer ist ein Kletterparadies, das für jede Vorliebe und jede Jahreszeit etwas zu bieten hat. Geschätzte 10.000 Sportkletterrouten und 100e Mehrseillängenrouten und Boulderblöcke wurden bis heute erschlossen.

Dennoch: immer wieder habe ich mich bei meinen Besuchen auf der Insel gewundert, dass so viele fantastische Felsen noch nicht erschlossen wurden (da mehr als 15 Minuten Zustieg 😉).

Bereits bei meinen ersten Besuchen fielen mir in der Gegend von Jerzu-Ulassai eine Ansammlung von außergewöhnlich schönen Wänden auf. Auch Manolo, der italienische Klettermagier, erwähnte die Gegend südlich des Gennargentu Mitte der 1990er als Kletterarena der Zukunft.

So setzte um die Jahrtausendwende eine Erschliessungswelle um Jerzu-Ulassai ein, die bis heute über 1000 Routen, davon viele Erstklassige, hervorgebracht hat. Einen Vergleich mit Kalymnos oder Tarnschlucht braucht die sardische Top-Destination deshalb nicht zu scheuen. Vor kurzem wurde dort sogar die erste 9a (durch Giorgio Tomatis) befreit.

Im Spätherbst dieses Jahres war es endlich soweit: ein erneuter Besuch in Sardinien. Zum Einstand kletterte ich eine wunderschöne, relativ neue Mehrseillängenroute an einer bei Baunei steil aus dem Meer aufragenden Nadel namens Pedra Longa.



Im Anschluss ging es weiter in das Bergdorf Ulassai. Der Ort hat noch viel vom vormodernen Sardinien bewahrt und übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Ein äusserst ungewöhnlicher Wettersturz zuckerte Ulassai für einen halben Tag ein, dann folgte wieder das übliche Herbstwetter – prime conditions für Kletternde.



Was mir, neben den klasse Felsen, besonders gefiel: sehr freundliche Einheimische (alle grüßen alle und immer!), moderne (!) Kunst ohne Ende, nicht nur von Maria Lai, ein original Graffity von Banksy.





Weiterhin: echte lokale Tradition, wunderschöne, unberührte Landschaft, viele Ziegen, leckere reife Kaktusfeigen, Esel, eine uralte Weberei, die bis heute alleine von Frauen als Kooperative am Laufen gehalten wird, eine sympathische Klettercommunity usw.

Was ich nicht antraf: SUVs, Riesensupermärkte, ignorante Touris, mieses Restaurantessen, Abzocke, Pseudofolklore, Ramschläden, stressige Kletterhallenatmosphäre, Angeber, Konsumterror etc.


Alles in allem waren es wunderschöne Wochen auf Sardinien, die ich Mitte Dezember mit ein paar Tagen am Meer, im fast menschenleeren Cala Golone, bei 20°+ ausklingen ließ 😊.


Dez. 25
8

Es ist über zwei Jahre her, aber aus gegebenem Anlaß berichte ich heute am 8. Dezember über eine meiner Erstbegehungen am Sebaldstein. Es handelt sich vermutlich um eine der schönsten Routen an dem kompakten Monolithen im bayerischen Rotwandgebiet. Tricky-technical, crimpy, foodwork and endurance on the slab. Ca. 25 erfüllende Klettermeter an feinstem Edelfels. Die ersten Bouldersessions in der Route fühlten sich so schwer an, dass ich Zweifel hatte ob ich die Route je klettern werde. Nachdem ich zwischen 2021 und 2023 ca 10 mal in der Route gebouldert hatte, wagte ich meinen ersten Versuch und kletterte unerwartet bis in die Schlüsselstelle in der oberen Hälfte der Route hinein. Dort gewann die Schwerkraft und zupfte mich aus der Wand.
Die Crux weist einen komplexen Griffwechsel an schlechten Untergriffen kombiniert mit ebenso schlechten Reibungstritten auf. Ich stürzte bei weiteren Versuchen immer wieder in der Crux. Ich hatte schon viel investiert, an Aufgeben konnte ich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr denken. An einem vergleichsweise warmen Tag im Juli 23 gelang mir dann – zu meiner eigenen Überraschung – der Durchstieg und ich klippte staunend den Umlenker. Beharrlichkeit und sich durch Rückschläge nicht beirren lassen, das war der Schlüssel für meinen Erfolg.
Genau die selben Merkmale zeichnet auch den Erfolg der syrische Zivilschutzorganisation aus, zu deren Ehren ich die Route „The White Helmets“ benannt habe. Von 2014-2024 waren die Freiwilligen der White Helmets immer dann zur Stelle wenn es Leben zu retten galt. Wenn der russische Gouverneur Assad wie so oft eine Fassbombe auf ein syrisches Krankenhaus oder einen syrischen Kindergarten abwarf oder ein russisches Kriegsflugzeug am Samstagvormittag wieder mal Raketen auf einen belebten syrischen Marktplatz abschoss – die White Helmets trafen kurz darauf ein und leisteten in der traumatischen Hölle 1. Hilfe. Etwa 1000 Männer und Frauen der White Helmets kamen bei diesen heldenhaften Einsätzen ums Leben, weil die russischen Kriegsflugzeuge regelmäßig nach ca 30 Minuten zurückkehrten um jetzt die White Helmets zu töten. Die 1000den freiwilligen Helfenden der White Helmets verdanken ihren Namen übrigens den weißen Helmen, die sie immer bei ihren Einsätzen trugen und die die bekannte französische Kletterfirma Petzl ihnen gespendet hatte.
Es gibt einen Film, der die heldenhafte Leistung der White Helmets dokumentiert, aber Achtung – es sind verstörende und traurige Szenen enthalten, wie immer wenn es um die Verbrechen von Russlands Stellvertreter Assad geht.
Apropos Assad: seit dem Ausbruch der syrischen Revolution 2011 hat er ca. 160.000 Syrer*innen in seinen Kerkern zu Tode gefoltert, weitere 500.000 Syrer*innen mit Artillerie, Bomben und Giftgas ermordet, 12 Millionen Syrer*innen vertrieben und 100te syrische Ortschaften und Städte dem Erdboden gleichgemacht. Vor genau einem Jahr, am 8. Dezember 2024, floh er feige zu seinem Chef nach Moskau.
Seit Anfang Dezember feiern die Syrer*innen jeden Tag bis zum heutigen 8. Dezember den Sturz des Monsters und mit ihnen die White Helmets. Die berühmte Hilfsorganisation ist jetzt Teil der Übergangsregierung und leitet das Zivilschutzministerium. In diesem Sinne habe ich die Erstbegehung von „The White Helmets“ heute veröffentlicht.

Dr. Christoph Keinath ist DER Kletterorthopäde in München. Fast jede*r meiner Kletterbekannten war schon bei ihm in der Praxis. Ich kenne ihn schon seit einigen Jahrzehnten. Irgendwann haben wir beide zufällig herausgefunden, dass wir in den frühen 1980ern auf den selben Punkkonzerten waren.
Immer wenn ich bei Christoph in der Praxis zu Besuch bin, dann tauschen wir uns ein wenig aus. Vor etlichen Jahren äusserte Christoph mir gegenüber einen Verdacht: das GRIGRI könnten eine der Ursachen für chronische Überlastungserscheinungen der linken Schulter bei Kletternden sein. Grund: die Seilausgabe mit dem linken Arm wird beim Sichern mit dem GRIGRI, dem meistverwandten Sicherungsgerät, gegen einen mehr oder weniger großen Widerstand in Über-Kopf-Richtung ausgeführt.

Diese Bewegung ist eine im Alltag ungewöhnliche Bewegung. Wenn beim Arm nach Vorne- und Obenheben das Schulterblatt nicht bewußt unten gehalten wird, tritt automatisch der Oberarmkopf ebenfalls nach vorne und oben. Da beim Sicherungsvorgang diese Bewegung oft wiederholt wird und ausserdem die Aufmerksamkeit beim Sichern und nicht bei der (komplexen) Kontrolle der Schulterstellung liegt, ist es nahezu unvermeidlich, dass die Bewegung immer wieder mit dezentrierter Schulter ausgeführt wird. In der Folge werden Sehnen und Schleimbeutel im linken Schulterbereich gereizt und können sich entzünden.
Aus meiner persönlichen Erfahrung und der Erfahrung von befreundeten Kletternden kann ich Christoph’s Verdacht bestätigen. Allerdings weist das GRIGRI die größte Sicherheitsreserve auf, vorausgesetzt es wird korrekt bedient! So ergab sich die bisher unlösbare Frage: Risiko Schulterüberlastung contra Verlust Sicherheitsreserve.

Zum Glück hat die „GRIGRI-Firma“ Petzl 2025 eine Lösung auf den Markt gebacht. Das NEOX – eine entscheidende Weiterentwicklung des GRIGRI. Im NEOX läuft das Seil um eine frei drehbare Rolle. Dadurch ist der lästige Widerstand, der im GRIGRI durch Reibung erzeugt wird praktisch eliminiert. Das Seilausgeben (einfache Handhabung ähnlich Tuber) ist widerstandsfrei möglich und provoziert damit nicht mehr die oben beschriebene schädliche Schulterführung.
Das NEOX klemmt das Seil im Sturzfall nach dem selben Prinzip wie das GRIGRI mittels Nocken (in den die Rolle integriert ist) ab. Dieser Klemmmechanismus wird gem. Bedienungsanleitung durch die am Seil befindliche Bremshand ausgelöst. Wenn die Bremshand jedoch nicht am Seil ist (was ein schwerer und leider weit verbreiteter Bedienungsfehler ist), dann klemmt das GRIGRI im Sturzfall mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit dennoch von selbst das Seil ab. Diese Sicherheitsreserve bei Fehlbedienung zeichnen GRIGRI und NEOX besonders aus. Jedoch hat das NEOX bzgl. Sicherheitsreserve bei Fehlbedienung eine Einschränkung.
Beim NEOX tritt der selbstwirkende Klemmeffekt wegen der in den Nocken integrierten Rolle meist erst nach einer gewissen Fallbeschleunigung auf. Dazu benötigt es eine gewisse Mindeststurzweite. Wenn die Bremshand beim NEOX das Seil entgegen der Sicherheitslehre nicht festhält, kann dies im Falle eines Sturzes in der Nähe des Bodens zu einem ungebremsten Aufschlagen führen, bevor der Klemmmechanismus greift. Die übliche GRIGRI-Sicherheitsreserve bei Fehlbedienung ist beim NEOX also in unmittelbarer Bodennähe eingeschränkt.

Wie es der Zufall will hat die Firma Edelrid zeitgleich zum NEOX ebenfalls ein neues Sicherungsgerät entwickelt, das PINCH. Es weist beim Seilsausgeben deutlich weniger Widerstand auf, als das GRIGRI und kann ebenfalls so einfach wie ein Tuber bedient werden. Das NEOX ist, was die Frage der Schulterschonung angeht dem PINCH allerdings etwas überlegen. Auf der anderen Seite hat das PINCH keine Rolle und damit verfügt es über die volle Sicherheitsreserve bei Fehlbedienung in unmittelbarer Bodennähe.

PINCH oder NEOX, welches ist das bessere Gerät? Diese Frage wiederum kann nur jede*r für sich selbst beantworten. Deshalb meine Empfehlung: beide Sicherungsgeräte ausprobieren, sie sind beide eine echte Innovation.
Aug. 25
20

Wer kennt das nicht? Der erste Boulder/die erste Route in einem höheren Grad. Celebrations und dann stellt sich heraus: Mist die Kletterszene bewertet dieses piece als zu leicht für den Grad. Ok wieder mal nix. So ähnlich erging es mir letzte Woche in Comano. Schattig im Wald, im Hinterland von Arco auf 850 m Höhe gelegen. Nicht wie sonst üblich von deutschen Invasoren besetzt, sondern bisweilen still und einsam war es in Comano letzte Woche. Prime conditions?
Die 8a ergab sich schon im zweiten Versuch. Kann das überhaupt 8a sein? Zwar habe ich schon einige echte 8a geknipst, aber die Fragole weist mit knapp 200 Begehungen auffällig viele Bezwingende auf. Dennoch: ich fand sie subjekiv „sauschwer“, wie die Bayern zu sagen pflegen. Es hatte 27°, viel zu heiß um an kleinen Griffen zu zerren. Die 200 Begehenden (und noch viele mehr, die nicht hochgekommen sind) haben einige Griffe und Tritte glattpoliert. Aber ok, wer sich mit Graden befasst kommt nicht weiter. Deshalb: es war eine meiner schwersten Routen, die ich bisher geklettert habe. Subjektiv habe ich es so empfunden und das zählt ;).
Aug. 25
10

Letzte Woche begleitete ich mit Rainer (Trainer Ulm) und Patty (BFB-Trainerin) sowie Heiko Queitsch (Local Legende) das Bayer. Talentkader ins nördliche Frankenjura. Es waren Tage, die von morgens bis abends mit sportlichen Aktivitäten gefüllt waren. Mit Heiko leitete ich vorrangig das Bouldertraining am Fels, aber auch Lead, Fußball, Frisbee, Schwimmen, Volleyball, Ausgleichstraining usw. standen auf dem Plan, wie die folgenden Bilder zeigen:







Fotos: Peter Proebster, Matthias Ballweg, Thomas Lindinger

Die Münchner Stadtmeisterschaft und das Finale der Oberlandcupserie 2025 sind seit gestern Geschichte. Über 25 Jahre organisiere ich Kletterevents, teilweise bis zu 10 Wettkämpfe pro Jahr und manche davon liefen bis zu 3 Tage hintereinander. 1000de von Kletternden nahmen an den von mir organisierten Veranstaltungen teil.

Die Münchner Stadtmeisterschaft organisiere und leite ich seit 2008 (aktuell im Kletter- und Boulderzentrum München-Freimann). Letztes Jahr ist das Oberlandcupfinale dazugekommen. Am vergangenen Wochenende ging das Oberlandcup-Finale in einer der größten Kletteranlagen der Welt, in München-Thalkirchen über die Bühne.

Auf Bad Tölzer Stadtmeisterschaft im Mai folgte die Gilchinger Meisterschaft im Juni und schliesslich die Münchner Stadtmeisterschaft in Freimann. A propos Stadtmeisterschaft München: sie wird von den DAV Sektionen München & Oberland seit 2003 veranstaltet (2003 nahm ich noch selbst als Athlet teil). Sie ist die Älteste und Größte ihrer Art in Deutschland und … bietet als einzige eine Handicapwertung (in 6 Klassen).

Hier geht’s zum ausführlichen Bericht (incl. Ergebnissen) auf der Page von München & Oberland sowie zur Fotoserie Stadtmeisterschaft 2025 auf der Page des Kletter- und Boulderzentrum München-Freimann.

Auch das Finale findet in 8 Klassen (Kinder/Jugend/40+/Erwachsene – je weiblich und männlich) statt. Die Besten 60 der Vorrunden traten gegeneinander an.

Gestern verbannte ein fettes Regentief das Große Finale in München-Thalkirchen von der chilligen aber eben nassen Aussenarea in den trockenen Innenbereich. Dennoch war das gesamte Finale in allen drei Durchgängen (Viertel-, Halb-, Finale) von einer lässig-sportlichen und zugleich spannenden Atmosphäre geprägt.

Großzügige Sponsoren unterstützten den Oberlandcup 2025 mit dutzenden klasse Preisen, darunter das Sporthaus Schuster, Tenaya, Edelrid, Mountain Equipment, Chillaz und Metolius. Ingesamt nahmen 2025 viele 100 Athlet*innen an Oberlandcupserie und -finale in den 4 Verbundkletterhallen teil.


Die Ergebnisse des Oberlandcup-Finales am 26.07.2025 (Thalkirchen):







