Dez. 10
15
Vergangenes Wochenende fand in Rosenheim die bayerische Meisterschaft im Vorstieg (Jugend und Erwachsene) statt. Es war der einzige Vorstiegswettkampf an dem ich dieses Jahr teilnahm. Obwohl ich seit Pfingsten eigentlich nur gebouldert habe (4 SL am Fels und 6 in der Halle) lief es ganz gut für mich. Wieder einmal bedeutete die Kombination Offener Griff/hoher Tritt mein viel zu frühes Aus. Zwei Wochen zuvor hatte ich am IG-Adventsbouldercup im Heavens Gate teilgenommen. Dort war außer mir noch ein Riese am Start: Peter Würth einer der besten Boulderer Deutschlands. Er gewann zwar souverän, hatte jedoch an den selben größenfeindlichen Zügen (offener Griff-hoher Tritt) ähnliche Probleme wie ich. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß es sich eines Tages auch bis zu den Schrauber aller Hallen herumspricht, daß Griffoberflächen ab 30° Neigung gemäß Biomechanik i.d.R. unhaltbar werden. Dieser Positionskiller tritt für große Kletterer früher auf als für durchschnittlich große oder gar kleine Kletterer, Letztere haben in dieser Situation sogar Vorteile. Das Problem: wenn große Kletterer an einer solchen Stelle rausrutschen, dann schaut das meist recht unspektakulär aus (im Gegensatz zu einem unfairen Längenzug für kleine Kletterer). Ich habe schon viele Zuschauer gehört die meinten: „der/die hat zu wenig Kraft“ -> Gegenbeweis: Peter Würth, ach ja und die einfachen Regeln der Physik (Reibungskoeffizient etc.), aber was sagen die schon aus? Wenn dagegen überdimensional weite Züge die kleinen Kletterer aussortieren, dann wird (m.A. zur Recht) geschimpft. Ein Anlaß zum Nachdenken… Dennoch: der Tag hat mir sehr viel Spaß gemacht, wie immer beim Wettkampf.
Bericht aus Sicht der DAV Sektionen München & Oberland…
Bericht von Monika Retschy mit Tagesergebnissen vom Samstag…
Am vergangenen Wochenende war ich als Schiedsrichter zusammen mit Johannes Altner, Markus Zöll und Sonja Schade auf dem nationalen Wettkampfhöhepunkt der Saison, der deutschen Meisterschaft in Leipzig im Einsatz. Etwas kränkelnd aber den Umständen entsprechend hochmotiviert ging ich meiner Aufgabe, eine gerechte und sportlich faire Wertung der Teilnehmer zu sichern nach. Bei den Herren siegte erneut der vielseitig aufgestellte und brilliante Techniker Markus Hoppe. Bei den Damen grüßte erneut das „Wurmeltier“, sprich Juliane Wurm wurde zum xten Mal deutsche Meisterin. Insgesamt 5 Jugendnachwuchsathleten aus meinem Umfeld (Kletterteam München & Oberland) waren mit am Start. Hauptschiedsrichter Johannes Altner, wollte mich eigentlich entlasten und setzte mich nicht als Routenschiri ein. Eigentlich ist es für mich kein Problem meine eigenen Leute mit zu „schiedsen“, denn ich habe mir in den Jahren angewöhnt, in solchen Fällen besonders selbstkritisch zu urteilen. Nicht wie üblich als Routenschiri „an der Front“ rutschte ich jedoch in eine überraschende Situation. In Folge eins Clipfehlers von Pema Sherpa bedeutete meine Zustimmung gegenüber dem Routenschiri, daß die kleine Talentklettererin letztlich aus der Wand mußte. Ich hatte ein ziemlich mieses Gefühl dabei. Andererseits, war sowohl mir als auch meiner Tochter Sarah dieser Fehler bereits bei einem offiziellen Wettkampf bereits einmal unterlaufen. Auch Weltspitzenathleten wie Thomas Tauporn sind für ihre Clipfehler berühmt und fair sein kann bisweilen auch hart sein… Insgesamt waren die zwei Tage der deutschen Meisterschaft ein großes Highlight im Klettergeschehen 2010.
Bericht aus Sicht der DAV-Sektionen München & Oberland …
Seit ca. 10 Jahren nehme ich am ältesten Münchner Boulderwettkampf, der offenen Münchener Hochschulmeisterschaft teil. Der Wettkampf, findet in der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS) im Olympiapark statt. Er ist der „kultigste“ und zugleich härteste Wettkampf, den ich kenne: Das gesamte Starterfeld wird hintereinander in einen Boulder geschickt. Jeder Starter hat nur zwei Minuten Zeit um den Boulder zu bewältigen. Wer das schafft kommt in die nächste Runde, wer nicht fliegt raus. Bisweilen wird die Regel auch rel. willkürlich abgeändert, z.B.: Wer am wenigsten weit in einem Boulder kommt, fliegt raus. So werden insgesamt 7 bis 8 Boulder hintereinander abgeklettert. Der erste und leichteste ist bei etwa Fb 5c gelistet. Die letzten, schwersten Boulder checken bei etwa Fb 7c ein. Diese letzten Boulder (meist zwei) müssen aus der Isolation heraus geklettert werden. Die Finalisten können also den Kletterern, die vor ihnen in den Boulder starten, nicht zusehen. Im Finale hat jeder Boulderer maximal 5 Minuten Zeit. In den letzten 10 Jahren war es mir fast immer gelungen bis ins Finale vorzustoßen. Meist machte ich Platz 5. Mein bisher bestes Ergebnis war Platz 3. Dieses Mal hatte ich viel Glück: die Boulder hatten nur wenige größenfeindliche Stellen und waren athletisch sowie technisch anspruchvoll. Außerdem liegt mir der KO – Modus, da ich sehr gut mobilisieren kann. So kam ich relativ locker ins Finale und fuhr dort zur Hochform auf. Um ein Haar hätte ich Ralf Grabowski, der am Fels wesentlich stärker unterwegs ist als ich, noch überrundet. Wir lagen nach dem letzten Boulder gleichauf (ich hatte sogar einen Versuch weniger benötigt). So kam es zum Superfinale zwischen mir und Ralf. Das Superfinale konnte Ralf für sich entscheiden. Mit dem 2. Platz bei den Herren unter 40 bin ich, als ältester Teilnehmer (45), jedoch mehr als zufrieden.
Moni Retschy gewann bei den Damen…
Nov. 10
7
Herbstferien! Die wollten wir (Steffi, Silja und ich) nicht ungenutzt verstreichen lassen. Was lag näher, als ins sonnige Tessin zu fahren? „Sintflutartige Regenfälle im Tessin“, das waren die letzten Meldungen, die wir hörten, als wir aufbrachen. Empfangen wurden wir von einer herbstlichen Märchenlandschaft: Die Berghänge in den milden Farben der späten Jahreszeit, der Talgrund noch grün, die Felsregionen hoch über uns bereits tief verschneit. Stahlblauer Himmel versprach beste Bedingungen. Weit gefehlt: seifige Griffe, dazu einfach etwas zu warm, kein Grip. Sitzstarts, die mich festnagelten, Schleimgriffe, die mich ausspuckten. Der erste Tag war frustig. Am zweiten Tag überkam mich ansatzweise Verzweiflung, es wurde nicht besser. Lediglich eine 6c+ („Scia Sota“) fand sich für einen Lulatsch wie mich.
Cresciano nicht mein Gebiet?
Silja und Steffi hatten ihren Spaß und boulderten nach Lust und Laune, während ich mit jeder Stunde griesgrämiger wurde. Das Wetter war super, also musste „doch was hergehn“ – aber es ging nix her! Alle Erfahrung hatte ich über Bord geworfen: Die Gewöhnung an den Felstyp, die Anpassung der Unterhautfettschichten, den Spannungsaufbau, die Koordination der Muskelketten.
Steffi versuchte mich aufzumuntern: „Vielleicht geht’s besser, wenn es kälter wird?“ Ich winkte ab: „Nein, ich bin einfach nicht in Form“. Am nächsten Morgen war es ziemlich kalt, der Atem stand in der Luft, wieder stahlblauer Himmel. Vielleicht ist jetzt der Grip besser? Ich schöpfte Hoffnung. „Pixel“ eine nette 7a am Gebietseingang forderte mich auf. Alles ging auf Anhieb, nur so ein besch… Zug in der Mitte ging gar nicht.
La Grotte des soupirs
Endlich die Erleuchtung: meine Hookschwäche machte mir mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Ich musste einfach nur kompromissloser hooken und schon gings, wie von selbst. Ein Schrei im Ausstiegsmantel erlöste mich aus der Dreitagestarre. Ich war doch noch nicht zum Wanderer mutiert. Ein einsamer (junger) Schwede kommt heraufgestapft, breitet seine 3 Crashpads unter „La Grotte des soupirs“ (7c+) aus, er bouldert professionell in der „Grotte“. Scheint ein umfangreicheres Projekt von ihm zu sein, er hat fast genau meine Größe, die „Grotte“ fordert Längenzüge und Spanner an großen Griffen. Ich bin angefixt, frag ihn, ob ich auch mal darf: „Yes, take your shoes.“ Ich komme im zweiten Versuch bis wenige Zentimeter an den Cruxgriff. Vom Cruxgriff weg bis zum Schlussgriff ziehe ich sofort im Anschluß im ersten Versuch. Der Schwede ist tief beeindruckt, er hatte mich mit Frau und Kind eher in die Klasse Familienboulderer einsortiert. Noch beeindruckter bin ich selber. Mit einem Dutzend bemitleidenswerten Versuchen am Startgriff hatte ich gerechnet.
Die Klasse der Familienboulderer
Von tiefer Zufriedenheit ergriffen, erkläre ich dem Schweden, daß ich jetzt wieder mit meiner Familie weiterbouldern will. Er schaut mich fassungslos an und meint: „You need only 5 Minutes for „La Grotte“, try it!“. Ich lächle in mich hinein und lasse den sympathischen Kerl an der „Grotte“ zurück. Eine altbekannte Energie durchströmt mich, ich hatte mich mit Eigendruck selbst blockiert. Ab jetzt wollte ich locker bleiben. Ich betreue Silja und Steffi beim Bouldern. Dann noch eine 6c+ trav. im 1. Versuch, die mich aber völlig plättet. Am Abend feiere ich meine Wiedergeburt. Am Tag 4 schlafe ich zum ersten Mal seit langem wieder aus, es ist noch kälter, die weißen Berge über uns heben sich ganz klar vom blauen Himmel ab. Wir sind später an den Blöcken als sonst und haben uns die mittleren Sektoren vorgenommen. Mit herrlichen Genußbouldern wärmen wir uns im Sektor Cubo auf. Ich fühle mich stark wie ehedem. Eine unangenehme Ein-Zug-Sitzstart-7a ergibt sich sofort. Im Anschlusssektor lacht mich eine athletische 7b+ an. Ein paar Versuche später und nach dem kurzzeitigen Hängen an zwei Fingerspitzen stehe ich auf dem Block und schreie meine Freude hinaus.
Dai zeigt wie‘ s geht
Immer wieder coache ich Steffi und Silja, was mir ebenso Spaß macht, wie wenn ich selbst den Fels angreife. Noch schnell in Naso di Zmut, einem wunderschöner Sektor vorbeigeschaut. Den Namensgeber des Sektors („nur“ 6b – aber ein Riesentod) on sight eingesackt. Dann „L’Eliminante“ 7a+ trav. im 1. Versuch abgehakt. Während ich mit Silja und Steffi bouldere, entdecke ich Dai Koyamada, der gerade seinen 352. Versuch in „Confessions“ (8b+) startet. Gamba, gamba, Dai! Dai zählt zu den besten Kletterern der Welt (u.a. „Aktion Direkt“ und „The Story of two worlds“). Sein präziser und eleganter Stil, der mit der Kraft eines Herkules gepaart ist, könnte aus fernöstlicher Kampfkunst abgeleitet sein. Dazu weist er noch die typisch japanische Höflichkeit auf, eine bemerkenswerte Mischung. Hannes Huch hat ein paar Kurzfilme über Dai im Internet veröffentlicht – sehr sehenswert. Von Dais ruhiger Entschlossenheit beflügelt, noch eine pressige Namenlose 7a eingeworfen, und als Abschluß im Halbdunkeln im Sektor Danilo die “Tricipite Surale“ (7a+), eine unharmonische Hangel-Hook-Traverse im on sight abgeholt. Silja boulderte ihre zweite 6a+ und Steffi ihre zweite 6b. Am Abend wieder Maroni und Wein, dazu ein gepflegtes Schnipp-Schnapp. Herbstferien, wie sie besser nicht sein konnten!
PS: auf Dais Blog ist ein Photo von Siljas liebster Freundin Schluribumbi im Tiefschlaf zu sehen… :), darunter ein Photo vom Blick aus exakt unserem Pensionsfenster vom Oktober…
In den letzten 7 Jahren habe ich ca. 400 Menschen in Kletterkursen und -trainings begleitet. Die meisten davon Kinder/Jugendliche aber auch nicht wenige Erwachsene. Viele tausend Trainingsstunden habe ich in den letzten Jahren gegeben. Nach ein paar Jahren fielen mir zunehmend einzelne ähnliche Klettertypen unter den zu Trainierenden auf (z.B. Eindrehtyp). Ein Typ ist durch besondere Auffälligkeiten geprägt, die sein Klettern zum Guten wie zum Schlechten prägen. Als ich mich mit den Klettertypen intensiver befasste, stellte ich fest, dass diese „Typen“ oft auch andere Ähnlichkeiten aufwiesen (z.B. Eingangssportarten, Bewegungsstil, Kraftniveau, Morphologie etc.), manche sogar z.B. beruflich ähnlich aufgestellt waren, mit der allentscheidenden Sicherheitstechnik ähnlich umgingen etc. Ich entdeckte weitere Kennzeichen von Klettertypen und begann die Typen genauer zu analysieren. Ich lernte in fast unveränderbare (z.B. morphologische) und veränderbare (z.B. Techniken) Fakten, die einen Klettertypen kennzeichnen, zu unterscheiden.Viel Mühe gab ich mir bei der Ursachenforschung, die einen Klettertyp bedingt. Dabei halfen mir besonders Techniken des Coaching, die ich in meiner B-Trainerausbildung 2006 gelernt hatte. Insbesondere bei der Ursachenforschung kam ich auf immer detailliertere Zusammenhänge, warum ein Kletterer bestimmte Typmerkmale erfüllt und wie diese möglichst schnell (innerhalb von Minuten) möglichst eindeutig zu ermitteln sind. Ich begann mir zunehmend einen (heimlichen) Spaß daraus zu machen, die „Trainingsinteressenten“ schon beim ersten Gespräch am Telefon (ohne diese zu sehen) oder beim ersten Kontakt im Klettergarten (ohne diese je beim Klettern beobachtet zu haben) einem bestimmten Klettertyp probeweise zuzuordnen. Ich war sehr erstaunt, wie oft ich richtig lag. Ich erkannte, dass sich bestimmte Klettertypen eher gegenüberstehen und damit ergänzen. Andere Typen sind nah beisammen und weisen fließende Übergänge auf. Ich entdeckte mit der Zeit zunehmend, worin die jeweiligen Schwächen und Stärken (z.B. Taktik, Psyche, Kondition etc.) der unterschiedlichen Typen lagen und woran die jeweiligen Typen arbeiten könnten um sich zu verbessern (natürlich abhängig von ihrer Zielvorstellung).
Bisweilen wiesen die Kletterer, die ich kennenlernte ein oder mehrere Auffälligkeiten auf, die aus ihrem Typmuster ausscherten. Da ich ein sehr wissensdurstiger Mensch bin, befasste ich mich bevorzugt mit Auffälligkeiten die ich nicht zuordnen konnte. Dabei kam ich zu meiner Überraschung auf Folgendes:
Die Reaktionen, die ich auf meine Typanalysen bisher erfahren habe, lassen sich zwischen Ablehnung („Schubladendenken, du bist nicht mehr offen“) und Überhöhung („Hellseherei, wie konntest du das wissen?“) einordnen.
Meine Ansicht ist, dass ich mich ziemlich in der Mitte zwischen diesen beiden Polen bewege. Mittels Erfahrungen und selbstkritischer Reflektion habe ich eine nützliche Methodik entwickelt, um mich und andere systematisch erfolgreich zu trainieren.
Sep. 10
21
Oh ja, wieder Spielen wie ein Kind. Wäre das nicht schön? Kein Druck (Zeit, Leistung, sonstige Erwartungen), einfach NUR Spaß haben. Dazu hatte ich am vergangenen Wochenende in Rieden bei Füssen (Allgäu) Gelegenheit. Im Kletterzentrum Rieden hatten sich 11 Klettertrainer, unter der Leitung von Jens Werchau und mir, zusammengefunden um gemeinsam herauszufinden, was Kindern beim Klettern Spaß macht. Wir haben von morgens bis abends getobt, geknobelt, gekämpft und gelacht und sogar auch ein bischen geklettert … einfach wunderbar.
Sep. 10
14
Das Val di Mello/Val Masino besticht durch eine grandiose Naturlandschaft. Ein tief eingeschnittenes Tal trumpft mit lieblichen Almwiesen auf. Die Talseiten sind teils von imposanten Granitplatten eingefasst, die dem Val di Mello den Titel „Yosemity Italiens“ eingetragen haben. Über den steilen Talseiten schließen sich ab ca. 2000 m leicht geneigte, grasbewachsene Hochebenen an. An deren oberem Rand (ab ca. 3000 m) thronen eindruckvolle, bisweilen schneebedeckte Granitspitzen. Uns (Steffi, Silja und mir) hatten es besonder die lieblichen Almwiesen angetan, denn dort befinden sich viele, interessante Granitblöcke.
Die hat der große Baumeister aller Welten scheinbar einzig und allein um des Boulderns willen dort verstreut. Die Kombination aus herrlichen Boulderproblemen (aktuell ca. 500) und der einmaligen Naturumgebung wirken extrem motivierend. Fast jeden Tag rissen wir uns an dem scharfen Gestein die Finger (und nicht nur die) wund, es war herrlich. Aber auch darüber hinaus haben wir Einiges erlebt: allmorgendliches Ziegenfüttern, Baden in eiskalten Bächen und Gumpen, riesige Wasserfälle, Stier- und Kuhtreiben, eine Höhenwanderung bis auf 2100m, eine Zirkusaufführung, Wikingergeschichten, einen zweitägigen Fönsturm der sich gewaschen hatte, eine zweitägige Sintflut, die uns durchgewaschen hat, einen extrem unfreundlichen Campinplatzverwalter, eine extrem freundliche Campingplatzverwalterfamilie, einen Höhenmarathon (KIMA) auf dem Sentiero Roma, einen beschrankten Bahnübergang der immer geschlossen ist, Pflanzen die in einem Wohnwagen Urlaub machen usw. Aber natürlich stand im Mittelpunkt der wahre Ernst des Lebens, sprich: Bouldern, Bouldern, Bouldern.
Ich habe meine ersten beiden 7c geknackt und wieder erfahren, daß Schwierigkeitsgrade beim Bouldern nur zur Orientierung dienen. Insgesamt boulderte ich in den knapp drei Wochen:
4 x 7a RP
4 x 7a OS
3 x 7a+ RP
1 x 7a+ OS
1 x 7b RP
1 x 7b OS
2 x 7c RP
( Fb-Skala).
Weitere 60 Boulder bis 6c+ konnte ich klettern, davon die Allermeisten im Onsight. Die erste Woche waren wir bei Temperaturen von 20 bis 30 Grad unterwegs, danach bei 15 bis 20 Grad.. Fast alle Lösungen bei den Bouldern ab 7a erarbeitete ich mir selbst. Da ich mich bis zu unserem Besuch im Mellotal kaum auf echtes Bouldern am Fels eingelassen habe, bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Steffi boulderte ihre erste 6b und Silja ihre erste 6a+ und ein paar weitere 6a.
Besonders hat mich die „Kamasutra“ im Sektor Tarzan, meine erste 7c, beeindruckt. Die „Kamasutra“ ist eine ellenlange, variantenreiche 34-Zug-Traverse an meist relativ großen Griffen. Sie ist (nicht nur) an den drei Schlüsselstellen exakt auf meine Persönlichkeit und meinen Körper zugeschnitten. So ist die „Kamasutra“ mehr Route als Boulder was mir auch entgegenkommt.
Als ich die „Kamasutra“ das erste Mal sah und kurz durchging, spürte ich sofort, daß sie möglich wäre. Außerdem gefiel sie mir. Sie ist taktisch anspruchsvoll. Ich benötigte 4 Versuche, bis ich die richtige Lösung für den schwersten Zug in der Mitte der „Kamasutra“ heraus hatte. Nach einem weiteren Versuch optimierte ich am Schlüsselzug (Kreuzzug aus einem hohen Hook heraus) einen Handgelenkswinkel und verbesserte damit meine Reichweite. Im anschließenden 6. Versuch hat es geklappt. Nach dem letzten Zug war ich ziemlich ausgelaugt (u.a. Krampf im Oberschenkel). Ich rang nur nach Luft und bekam nicht einmal einen „Siegschrei“ heraus.
Bei der zweiten 7c lief es ganz anders. Die recht bekannte, durchwegs ca. 45° steile „Oscurità“ (Sektor Bagni di Masino) gibt es als 7a Stehstart oder 7c sit. Markus Härtl (thx!!!) hatte sie mir empfohlen, da sie athletisch ist und große „Patscher“ hat, was ich gerne mag. Die „Oscurità“ schaut beeindruckend aus. Sie befindet sich an einem Bug auf der hangzugeneigten (dunklen) Seite eines großen Blockes, der in einem älteren Tannenwald steht. Nur wenige Lichtstrahlen dringen vereinzelt bis auf den Waldboden, eine geheimnisvolle, abgeschiedene Atmosphäre umgibt die „Oscurità“. Es war „Liebe auf den ersten Blick“.
Ich gehe aus Prinzip fast jede Route und fast jeden Boulder zuerst im Onsight an, bevor ich ausbouldere. Bei der „Oscurità“ (7a) platzte ich schon am ersten Zug im Onsight ab, obwohl ich zuvor ganze 30 Minuten visualisierte. Danach mußte ich etwa 10 bis 20 Mal (!) ausbouldern (hab ich noch nie gemacht bis dato), bis ich eine (scheinbare) Lösung für die 7a hatte. Die Positionen/Züge erfordern viel Spannung, viele Hooks und ein negativ exzentrischer Patscher ist abzufangen (s.a. die beiden Bilder, sind in der zeitlichen Abfolge falsch). Dennoch fiel ich bei ca. 5 weiteren Versuchen immer im Mitteilteil. Ich wurde mißtrauisch und „entdeckte“ eine scheinbar unhaltbare, sehr offene, „obskure“ Zange.
Als ich zum ersten Mal probeweise an die „obskure“ Zange zog, war ich mir sicher, daß ich sofort abgesprengt würde, doch die Zange hielt überraschend gut, mit ihrer Hilfe konnte ich sogar sowohl den Vor- als auch den Nachgriff besser fixieren. Zusätzlich war es mir möglich einen Hook entscheidend früher und zugleich stabiler zu setzen. Im nächsten Versuch fiel die „Oscurità“ 7a ganz unspektakulär. Nun galt es, den 7c sit davor zu bouldern. Schon beim ersten Check war mir die 7c-Eingangssequenz, wenn auch unter stärkeren Schmerzen in den Fingerspitzen, gelungen. Im ersten Versuch, kaum 20 Minuten später, fiel auch die Sitvariante, nachdem ich den zu erwartenden Schmerz autogen „weggepolt“ hatte. Mir erschien die „Oscurità“ im Nachinein vergleichsweise leicht. Ein oder zwei schwere Züge mehr hätten meine Kraftreserven, im Gegensatz zur „Kamasutra“, noch locker zugelassen. Vermutlich ist sie für große Kletterer leichter (?). Nichtsdestotrotz, einer meiner schönsten Boulder überhaupt.
Am vorletzten Tag wollte ich eigentlich im Sektor „Sass de la Pulenta“ noch mal angreifen. Allerdings wollte Silja dort nicht hin, sondern mit einer neuen Freundin aus Überlingen lieber Rodeo reiten. So befasste ich mich notgedrungen mit einer „häßlichen“, namenlosen 7b im Sektor Proprietà Privata. Wie immer startete ich zuerst einen OnSight-Versuch, den ich etwa 15 Minuten vorbereitete. Eigentlich war die „Namenlose“ nicht nur häßlich (Sitzstart an schrägem, erdigem Hang, Mantle in einen Tannenbaum hinein) sondern auf Sicht auch ganz und gar nicht mein Ding.
Es galt aus einem Faltsitz heraus (gut für kleine Italiener, für mich nur iiii) an eine weit überhängende, runde Kante zu dynamisieren, mehrfach weiterzuschnappen und sich dann mittels Hook und Aufhocken bzw. halbseitig mittels der beliebten „Robbentechnik“ und abschließendem Mantle auf den Block zu quälen. Mit meiner Körpergröße klappt es meistens an der Kante nicht. Die unpassenden Winkel frieren mich oft in einer Endstellung ein. Weiterziehen bedeutet nicht selten Knietrauma. Es kam jedoch ganz anders: Der Jump an die Kante saß incl. Schwungkontrolle sofort passgenau. Während ich auf Anschlag hinter der Kante weiterschnappte, merkte ich, daß Tritthöhe und Knickwinkel meiner Hüfte exakt mit der Beschaffenheit der Blockkante korellierten. Außerdem wurden die Griffe beim Weiterziehen nicht über 30° offen.
Ein 4er im Lotto für einen Lulatsch wie mich, denn normalerweise passt bei schweren Zügen über waagerechten Kanten einer der drei vorgenannten Faktoren nicht und verhindert damit den Erfolg. Obwohl meine Körperposition nicht ganz optimal war, und der Feinschliff des Ausboulderns fehlte, explodierte ich förmlich und knackte die 7b Onsight. Ich fand den Boulder danach ausgesprochen schön, trotz Weberknechtstart und Tannenmantle! An diesem Tag merkte ich, daß 3 Wochen Mellobouldern Wirkung zeigten, noch zwei weitere 7a+ gingen, davon eine ebenfalls im Onsight. Die andere war ein „must-do-testpiece“: „L`Inglese“ am Sass de la Pulenta. Gemäß dem Motto, „wenn`s am Schönsten ist, soll man abbrechen“, fuhren wir vorgestern über den Splügenpass zurück ins verregnete München (wir hatten im Mellotal fast nur schönes Wetter). Wir werden wiederkommen, ganz bestimmt!
Vielen, vielen Dank an Markus+Vicky+Elias+Anne sowie Gregor+Frau+Paul aus Villach, ebenso an Nobbi+Francoise aus Miesbach, Wendy+Mann+Anne aus Überlingen, Martina und die nette Family vom Campingplatz, Alex+Franz+Markus aus Augsburg, die „Drei vom Heavens Gate“ und einige weitere, uns namentlich nicht bekannte Boulderer, die uns begleiteten und/oder unterstützten.
Mitte August stand eine zweitägige DAV-Lehrteamfortbildung „Naturschutz und Klettern“ im Donautal auf dem Programm. Den Kurs leitete ich zusammen mit Heiko Wiening, der als Naturschutzbeauftragter des DAV-Landesverbandes BaWü hauptamtlich tätig ist. Ich hatte das Vergnügen, Pirmin Bertle näher kennen zu lernen und mit ihm ein bischen übers Klettern im Allgemeinen und über die aktuelle Entwicklung im Besonderen zu diskutieren. Ich bilde mir ein, der Kurs hat der buntgewürfelten Teilnehmergruppe viel Spaß gemacht, auch wenn nicht wenige nur „zufällig“ teilnahmen :). Wieder einmal habe ich festgestellt, das Klettern und die Liebe zur Natur zusammen gehören. Damit ist auch der Naturschutz ein wichtiges Thema. Darüber hinaus durfte ich auch noch ein bischen Hand an den „schrofigen Donaufels“ (O-Ton Pirmin) legen und längst vergessenem Oldschoolfeeling an den alten Hausener Wänden frönen. Steffi und Silja waren auch dabei. Silja hat auch mal getopropet.
Aug. 10
15
Puh, endlich mal etwas Ruhe um die letzten drei Wochen revue passieren zu lassen.
A. Worldcup: es lief super, das Helferteam von München & Oberland arbeitete hochprofessionell (wie immer), wahrscheinlich verfügen wir in München über eine weltweit einmalige Helferstruktur. Kein Wunder bei 5 großen Wettkämpfen im Jahr mit insgesamt fast 1000 Teilnehmern. Unvergessen wird für mich der Auftritt von Adam Ondra im 4. Finalboulder bleiben. Adam startete aus der Zwischeniso mit einem solchen Energieschub (er hatte mitbekommen, daß Kili den Boulder nicht geschafft hatte), daß ich mir sicher war, daß man sich einen sauberen Stromschlag abholt, hätte man ihn berührt…ich lehne Vorbilder eigentlich ab, aber bei Adam fällt mir das wirklich schwer…
Spitzenmäßiger Film von Udo Neumann auf You Tube
Videosequenzen von Moni + Sarah
Bildergalerie zum Worldcup von Udo Neumann
Die Abschlussparty werde ich auch nicht vergessen, nicht nur weil ich Wein und Bier (Anfänger!) gemischt habe, sondern weil es
megamäßig war. Wenn ich nicht nach Chironico am nächsten Mittag hätte aufbrechen müßen, hätte ich auch die beiden Darmstädter DJs (Top!!!) weiterdrehen lassen. Kilian Fischhuber hat mich bekniet, doch noch mal Freibier rauszurücken, ich mußte jedoch (leider) den (in-)offiziellen Schluß auf 3 Uhr terminieren (nächstes Jahr werde ich mich für ein „Open End“ engagieren), denn am nächsten Tag gings schon ab ins Tessin zum …
B. Trainingslager des Wettkampfkader 3 des Kletterteams München & Oberland in Chironico: Ich habe endlich die Freude an diesem Gebiet entdecken dürfen.
Bericht von Moni, keine 4 Tage später gings direkt in die Sintflutregion am Bodensee zum …
C. Deutscher Bouldercup in Überlingen
Irgendwie hats bei mir gar nicht hingehauen, aber egal, der Jugendwettkampf hat viel Spaß gemacht beim Zuschauen (und DJen) ebenso der DBC der Erwachsenen am sonnigen Samstag.
Kaum wieder zu Hause startete ich durch zum…
D. Lehrteamkurs Trainer C Wettkampf Lehrgang 2 ins Frangnjura den ich zusammen mit Peter Albert, einem Kollegen aus der Rotpunktkletterschule, leitete. Ein paar bekannte Gesichter (u.a. Lukas Schiffer und Felix Leuoth) waren auch dabei und so war Spaß pur garantiert. Unschlagbar die Slapstickeinlagen von Felix und Peter: „hüte dich vor der dunklen Seite der Macht „, tröööt (Startwars-Originalsound) und die Sachsenimitationenvon Peter, Paul und Felix -> anaerob, laktazides Bauchmuskeltraining am laufenden Band…natürlich war auch voller Einsatz gefragt: Lehrproben, Theorieprüfung und persönlicher Könnensnachweis mußten teilweise hart erarbeitet werden…
Jetzt noch schnell diverse Arbeiten in der kommenden Woche abhaken und dann gehts für drei Wochen ab an den Fels, yes!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Seit Monaten arbeite ich im OK zur Vorbereitung des Worldcups im Olympiazentrum mit. Für die DAV-Sektionen München & Oberland stelle ich zusammen mit Carla Bräunig das Helferteam zusammen und werde es während der zweitägigen Veranstaltung am 30./31.7. koordinieren. Die besten Kletterer der Welt haben sich angekündigt, darunter Adam Ondra, Kilian Fischhuber und Anna Stöhr. Auch meine Tochter wird als jüngste Teilnehmerin in ihrem ersten internationalen Erwachsenenwettkampf mit am Start sein…
Bericht bei München & Oberland…