Aug. 11
22

Der Sepplhut
Was kann dieser Sepplhut mit den besten Kletterern der Welt zu tun haben? Nun, ganz einfach, die allermeisten haben ihn schon einmal bei ausgelassener Stimmung auf dem Kopf gehabt. Nicht zu glauben, was? Stimmt aber doch. Zum Finale des Weltcups in München 2010 und vorgestern (2011) tritt das Helferteam von München & Oberland, das ich zusammen mit Carla Bräunig leite, in bayerischer Tracht auf. Zu meiner Rindsledernen pflege ich bei dieser Gelegenheit diesen Sepplhut zu tragen. Und natürlich habe ich diesen Hut auch bei der Happy-End-Party in der VIP-Lounge des Olystadions auf dem Kopf- aber nicht lange. Denn spätestens wenn der Bär auf der Tanzfläche pogt, dann macht dieser Sepplhut die Runde: Kili Fischhuber, Anna Stöhr, Akiyo Noguchi, Tsukuru Hori, der japanische Trainer, Alexey Rubtsov, Stefan Danker, Peter Würth, Sarah Schützenberger, Jan Hoyer, Jule Wurm , Rustam Gelmanow, Guillaume Glairon Mondet , Daniel Woods, Alex Puccio, Moni Retschy, Matze Conrad, Chris Webb-Parsons, Santiago de Alba Flores (ein mexikanischer Newcomer in 2011), das argentinische Team, Sabine Bacher, Katha Saurwein, Mina Markovic, Sammy Adolph, Anthony Gullsten und viele weitere, an die ich mich – wegen der besonderen Umstände – nicht mehr so ganz erinnern kann, haben den Sepplhut in den letzten zwei Jahren getragen. Eine konnte ihn leider nicht mehr tragen: Chloé Graftiaux. Die belgische Ausnahmeklettererin ist 2010 kurz nach dem Weltcup in München am Mont Blanc abgestürzt. Chloé war nicht nur beim Bouldern spitze, sondern auch beim Eisklettern, beim Seilklettern, beim Bigwall, beim Expeditionsklettern, sie war Klettersportlerin durch und durch und sie konnte feiern… Viele haben sie bei aller Freude in der VIP-Lounge sicherlich vermisst.
Filmchen auf BR-online zum Weltcup mit Sarah Schützenberger…
Wieder ein Spitzenfilm von Udo Neumann…
Bericht zum Boulderweltcup mit vielen Links zu weiteren Berichten und Photos…
Aug. 11
19
Am 17. August, vor zwei Tagen, habe ich zusammen mit Michl Hoffmann, meine bis dato schwerste alpine Erstbegehung bewältigt. Ein tragischer Unfall am gegenüber befindlichen Zundernkopf überschattete den Erfolg. 17. August, Zundernkopf, da war doch was? Genau! Am 17. August 1983 bin ich am Oberreintalturm 20 m gestürzt und habe mir sämtliche Knochen gebrochen. Als ich wider zu Sinnen kam, starrte ich ein paar Minuten den Zundernkopf an und rätselte, was das ist, 5 Minuten Generalamnesie. Widerholt rutschte ich in einen lebensbedrohlichen Schockzustand. Ein Rettungsteam aus Bundeswehr und Bergwacht holte mich nach über 2 Stunden mit einem aberwitzigen Hubschraubermanöver aus der Wand (auch heute noch und zum widerholten Mal: ich bin den Jungs, insbesondere den Piloten, dafür unendlich dankbar!). Aber jetzt mal nach vorne schauen: Wir schreiben den 19. August 2011. Finale der Weltelite am Münchner Olympiastadion. Die 100 besten Kletterer der Welt kämpfen um den Weltcuptitel 2011 (über Weichbodenmatten, in Absprunghöhe). Wie bei jedem Sport kann da zwar auch was passieren. Sicherungstechnik und Sicherungsdenken haben aus der Perspektive von 1983 eine schier unglaubliche Steigerung erfahren (was nicht heißt es gäbe nichts mehr zu verbessern). Klettern ist laut Versicherungsstatistiken wesentlich sicherer als Fußball oder Schwimmen. Weltweit wird Klettern von Millionen Freizeitsportlern betrieben. Klettern ist auf dem Weg vom Trendsport zum Breitensport. Das wird sich auch morgen abend zum Finale des Weltcups am Olympiastadion zeigen. 1000de Zuschauer werden zu DEM deutschen Kletterhighlight 2011 am Olympiastadion pilgern um die Spitzenathleten beim Kampf um den Sieg zu beobachten. Großes Kletterkino ist angesagt. Trotz allem, also bis dann…
Aug. 11
18
Mein rechter Unterarm schaut aus, als wenn sich eine Großkatze ihre Krallen daran geschärft hätte. Zum Glück war es nur eine messerscharfe, nadelbesetzte Schuppe in Frisbeegröße. Das gute Stück wollte meinem beherzten Griff in der Schlüsselseillänge unseres Domprojektes nicht standhalten. Nach insgesamt 8 Tagen in 2010 und 2011 in der Oberreintaldom Nordwestwand, haben Michl Hoffmann und ich gestern unser Megaprojekt unter Brüllen und Schreien in Wechselführung endlich erfolgreich abgeschlossen. Dabei hat eine sportliche Route mit 10 teils sehr anstrengenden Seillängen bis 7c in alpinem Ambiente das Licht der Welt erblickt. Wir sind gespannt auf die Zweitbegeher und ihr Einschätzung. Die Freude über unseren Erfolg währte aber nur ganz kurz. Während unserer Erstbegehung brummten beständig Rettungs- und Polizeihubschrauber im Oberreintal. Bei Rückankunft auf der Hütte erfuhren wir, daß zeitgleich ein Kletterer am gegenüberliegenden Zundernkopf tödlich verunglückt war. Starke Freude und starke Trauer so nah beisammen habe ich selten erlebt.
Aug. 11
13

Das 20. Jahrhundert: nicht nur der Klettersport explodierte...
Der Mark 1 Siedewasser ist in #1 bis #5 integriert. Im Moment werden Plastikzelte aufgebaut. Einer der ganz großen Unterschiede zu 86 ist, daß diesmal außer Zeltbau als Abdichtung gegen Regenwasser (Sichtschutz?) nichts mehr gemacht werden kann, das Ganze nimmt ohne wesentlichen Einfluss von aussen seinen unvorhersehbaren Lauf. Unvorhersehbar auch deswegen weil teilweise unbekannte chemische Reaktionen ablaufen. 600.000 Kamikazearbeiter wie anno dunnemal lassen sich heutzutage nicht mehr so einfach abkommandieren…
Der einzige Lichtblick: die unteren (=lokalen) Behörden sabotieren was geht, damit die über 30 Anlagen, die seit 11/3/11 heruntergefahren wurden, nicht wieder in Betrieb genommen werden und: im Gegensatz zu 86 läßt sich das Ganze nicht mehr so einfach unter den Teppich kehren…
Wer noch ein bischen Gehirnjogging machen will, sollte hier clicken…
Aug. 11
12

Cartoon: Eberhard "Erbse" Köpf
Heldenstatus und Suchtfaktor
Klettern hat einen starken Suchtfaktor. Dass Sport auch zur Sucht werden kann, ist für andere Sportarten bereits erwiesen. Am Beginn einer Kletterkarriere ergibt sich die Leistungssteigerung wie von selbst. Die Glücksgefühle, die sich bei jedem schnellen Erfolg aufs Neue einstellen, gleichen dem „Kick“ des Drogenabhängigen. Aber wehe die Anfangserfolge verflachen, und nach den „Freuden der Höhen“ kommen die „Mühen der Täler“. Dann werden immer absurdere Methoden ausprobiert, um eine Leistungssteigerung ohne großen Aufwand zu erzwingen. Eine harte Zigarette und drei Espresso vor dem entscheidenden Go im Projekt, oder der große Baumeister wird um Beistand angerufen. Methoden, die man belächeln kann und die außer einem Placeboeffekt wahrscheinlich wenig bewirken. Schädlich und gar nicht lustig sind Methoden, die das Lebensglück aufs Spiel setzen. Im Falle der Anorexia athletica wird dieKletterleistung mit einer Schädigung der eigenen Gesundheit erkauft. Andere Kletterer vernachlässigen zugunsten des Kletterns alle anderen Interessen und schließlich jegliche geregelte Lebensführung. Ein möglicher Grund für diese Auswüchse ist die schwindende Motivation, wenn man beginnt sich an der Leistungsschwelle mit anderen „besseren“ Kletterern zu vergleichen. Bei der Erkenntnis, dass man kein Held und keine Heldin, sondern nur ein ganz normaler Mensch ist, wird man schlagartig nüchtern. Zugleich nimmt der Drang nach dem „nächsten Schuß“ (= dem nächsten schweren Projekt) zu, um den „Heldenstatus“ wiederherzustellen. Ein Treufelskreislauf ist im Gang, und die Klügeren kommen relativ schnell dahinter, dass beim „Wie mache ich es“ in ihrem Klettersport der Wurm drin ist. Das führt in der Regel zur Frage nach der Motivation, und manche Spitzenkletterer haben erst einmal ein paar Monate/Jahre mit dem Klettern ausgesetzt, sind ins Kloster gegangen, haben eine Weltreise gemacht, Kinder gezeugt, o.ä. … einige sind nach dieser Pause zurückgekommen … und waren so stark wie nie zuvor :).
Aug. 11
12

Silja zeigt wo`s lang geht (Photo: Monika Retschy)
Vergangene Woche war ich mit Steffi, Silja, Moni, Esther, Thomas, Bini, Philip, Romy, Jakob, von denen einige im Wettkampfkader 3 (Jakob WK 2 /Esther, Silja im Sichtungskader) des Kletterteams München & Oberland trainieren im herrlichen Mellotal (Lombardei). Wir hatten drei Tage lang eine Menge Spaß und natürlich nicht zu wenig Granit unter den Pfoten…
Moni hat auch was dazu veröffentlicht…
ach ja: ich empfehle Camping Lo Scoiattolo im Val Masino. Warum? Preisgünstig, ruhig, wunderschön gelegen, guter Aufwärmfußmarsch ins Mellotal (als Nutzer des Campingplatzes kann man aber auch kostenlos ins Mellotal rüberfahren und darf dort parken), mit dem Auto sofort im Remennogebiet und im Top Sommergebiet Bagni di Masino und außerdem Carbi (die Ziege). Jeden Morgen Fütterung auf dem Campingplatz, wenn sie gut gelaunt ist, gibts auch noch eine kleine Aufführung dazu :).
Aug. 11
9

Adam Ondra im Finale in München 2010 (der entscheidende Zug, der ihm zum Jahressieg verhalf!) Photo: Udo Neumann/DAV
Kommende Woche werden die weltbesten Boulderer am Münchner Olympiastadion auf dem letzten Boulderweltcup der Saison antreten. Ein spannender Showdown der Kletterelite ist garantiert. Als Mitglied im Organisationskomitee bin ich zusammen mit Carla Bräunig für das Helferteam, das sich hauptsächlich aus Trainern und Wettkampfkletterern von München & Oberland rekrutiert zuständig. Es wird sicherlich das größte Event in München 2011.
Ankündigung bei München & Oberland…
Offizielle Homepage der IFSC zum Weltcup in München (Infos)…
Infos zum zeitgleich im Olympiastadion stattfindenen Outdoorfestival…
Juli 11
26

Ponte Brolla Klamm am 13.7.2011
Um 10 m in einer Stunde zu klettern, muß man schon eine ziemliche Schnecke sein. Ganz anders sieht das beim Pegel eines Gebirgsbaches/-flusses aus. 10 m Pegelanstieg in maximal 1 Stunde, das ist europäischer Rekord und kann es mit jedem Wadihochwasser in der nordafrikanischen Wüste aufnehmen. So geschehen am 13. Juli in Ponte Brolla im Tessin. Ponte Brolla ist ein Dorf, das sich direkt an einer etwa 20 m hohen Klamm befindet. Durch die Klamm plätschert gewöhnlich ein kleines Rinnsal, die „Maggia“. Am 13. Juli goß es im Valle Maggia für eine Stunde wie aus Kübeln, dazu Blitz, Donner und Hagel in Taubeneiergröße. Ich leitete in besagter Woche den Lehrgang 1 der Trainer B Breitensport-Ausbildung (Modul Mehrseillängen) zusammen mit Michl Hoffmann. In Ponte Brolla, direkt an der Schlucht, war unser Quartier. So entging uns auch nicht das Schauspiel, das sich in den Stunden nach der Sintflut in der Klamm abspielte. Nach Aussagen von Anwohnern war es der höchste Pegelstand seit ca. 35 Jahren…
Juli 11
22

Tiefblick am letzten Stand, rechts von meiner Schulter ganz klein: die Oberreintalhütte
4 Tage im Oberreintal zusammen mit Michl Hoffmann, Michi Kasch, Deti Fliegl, Nico Altmaier und Erik Deyerler. In der Bergsteigersendung „Berg auf – Berg ab“ wurde unser Unternehmen kurz vorgestellt. Die Sendung kann noch die nächsten 7 Tage im Internet angesehen werden: clicke auf DOnnerstag und dann unten runterscrollen bis „Berg auf Bergab“.
Wie immer bei solchen Sendungen bekommt der Zuschauer (leider) nicht mit, was alles „hinter den Kulissen abgeht“. Eine der skurilsten Situationen war die Folgende: Kaum bin ich vom Stand weggeklettert, bricht mir eine dünne Seitschuppe aus und ich plumpse zwei Meter zurück in den Stand. Unter mir 600 m Luft. Michl: „Alles ok? Ich greife noch mal an, klettere 5 m hoch, bringe zwei Skyhooks unter und beginne einen Einschlaganker zu bohren. Uff, nachdem ich die Exe clippe ist mir wohler. Dann gehts weiter über die steile Platte hinauf. Weit, weit unter mir sieht man das kleine Dach der Oberreintalhütte. Nicht wenige Zuschauer stehen vor der Hütte und beobachten mit Ferngläsern bewaffnet, die Erschliessung unserer Neutour an der Domnordwand. Ich klettere weiter, eigentlich gar nicht so schwer, nur ein Placement für den nächsten Bohrhaken will sich nicht finden. Wenn jetzt wieder ein Griff ausbricht? Ich bin genau über meinem Seilpartner Michl und würde ziemlich sicher auf ihm landen. Keine Alternative: ich muß weiter. Weitere 10 m höher finde ich endlich eine Möglichkeit hinter eine brüchig anmutende Spitze eine Schlinge anzubringen. Vom Stehen beim Bohren, bin ich etwas angeschlagen, meine Knie zittern leicht. Ich will gerade die Psychoexe in die Schlinge clippen, da meint Deti, der mit Kamera direkt neben mir in den Seilen schaukelt: „Darf ich dir dein Micro richten, weißt du, es rauscht irgendwie, der Wind ist nicht richtig abgeschirmt“ und will am Micro an meinem Hals herumnesteln.
Und hier die Preisfrage: Wie lautete meine Antwort?
a) berühr mich bloß nicht, ich kipp sonst aus der Wand!
b) Das kannst du auf der Hütte beim Weißbier richten!
c) jetzt nicht!
🙂 Auflösung in meinem nächsten Beitrag…
Juli 11
20
Juli 2010 berichtete ich von einem Projekt am Dom im Oberreintal, an dem ich arbeite. 2010 haben Michi „Michl“ Hoffmann und ich bereits 4 Tage harte Erschliesserarbeit in das Vorhaben hineingesteckt. Vor drei Wochen kamen noch einmal 2 weitere (harte) Tage dazu. Das Projekt ist damit fertig eingerichtet. Die Sl. 1 bis 5 sowie 7 wurden bereits befreit. Alle Stellen bis auf eine in der 9. SL (die voraussichtliche Schlüsselstelle) wurden geklettert. Die Route wird voraussichtlich um den 9. Grad einchecken.
So weit nichts Überraschendes, aber jetzt kommts: Die letzten zwei Tage in der Wand war ein Kamerateam* des BR dabei. Es wurden spektakuläre Live-Aufnahmen der Erschliessung (natürlich von unten) der letzten, höchsten Sl. 600 m über Grund aufgenommen. Außerdem der Durchstieg der 5. Sl sowie eine Boulderrunde in der 8. Sl. Ausschnitte davon werden heute, Donnerstag, den 21.7. um 21.15 Uhr in „Berg auf – Berg ab“ im bayerischen Fersehen gezeigt. Oberthema der Sendung ist das Oberreintal im Wetterstein, wo u.a. der Dom beheimatet ist.
Viel Spaß beim Anschauen.
H.m.l.a.A.!
Wiederholungstermine:
22.7.2011 / 02.30 – 03.00 Uhr / Bayer. Fernsehen
28.7.2011 / 23.00 – 23.30 Uhr / BR-alpha
*das Aufnahmeteam: Deti Fliegl (Kamera 1), Nico Altmaier (Kamera 2), Eric Deyerler ( Bodenaufnahmen), Michi Kasch (Sicherheit in der Wand)