Dez. 11
20

Romy Fuchs im Finale der 2. Gilchinger Meisterschaft 2011, Photo: Stefan Huber
Seit März 2010 trainiere ich zusammen mit Fabian Werner und Monika Retschy das Wettkampfkader 3 von München & Oberland. Insgesamt 6 Nachwuchstalente haben dabei nichts anderes im Sinn als klettern, klettern, klettern ( ein Ausnahmetalent hat allerdings vorrangig Gummibärchen im Sinn). Gemeinsam waren wir im Sommer 2010 im Tessin (zusammen mit Moni), zu Ostern 2011 für 10 Tage in Fontainebleau (mit Fabian) und diesen Sommer für 4 Tage im Val di Mello (mit Moni). Natürlich haben wir dort nicht nur Süssigkeiten verschlugen, sondern sind vorrangig der Boulderkunst am Fels nachgegangen. Eine kurze Vorstellung wer im Wettkampfkader 3 von München & Oberland dabei ist, gibts hier. Und einen netten Film mit einem Ausschnitt unserer Trainingsmethoden (Crashpadrodeo) im April in Bleau gibts hier (meine kleine Tochter Silja, Florian Hecht vom Sichtungskader und Floh Mahler vom Wettkampfkader 2 sind auch mit am Start).

High-Jump-Contest auf der Münchner Stadtmeisterschaft 2011; Photo: Walter Treibel
Nachdem ich an dem ganzen Geschehen nicht ganz unbeteiligt war/bin, habe ich eine Bilanz des Kletterteams der DAV-Sektionen München & Oberland für 2011 verfasst. Es wimmelt nur so von Meistern, Vizemeistern, internationalen, nationalen und Landeswettkämpfen sowie Spitzenathleten, Nachwuchskletterern und Talenten usw. usf. Die Bilanz ist auf dem Portal der beiden Sektionen einzusehen. Viel Spaß beim Lesen.

Anmeldung zum ZHS-Boulderwettkampf
In der Werbebranche werden Maßnahmen, die besonders gut einschlagen, bisweilen mit dem martialischen Begriff „Bouumeffekt“ (in der Ausprache betont wie die Explosion einer Bombe) umschrieben. Im Folgenden eine kleine Geschichte was es damit auf sich haben kann.
Es war einmal eine engagierte Gruppe von Kletterern um Technoclimber Tom Tivadar, die in grauen Vorzeiten (ca. 1995) bienenfleissig einen (den ersten?) Boulderwettkampf im November in Deutschland organisierten. Es ging darum die Saat des Kletterfiebers auszusäen, überall in der BRD werkelten die Apologeten des zukünftigen Breitensportes Klettern an dessen Erweckung. In der (damals) nagelneuen Bouldergrotte in der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS) in München fanden sich in der Mitte jeden Novembers aus Anlaß des ZHS-Boulderwettkampfes von Anfang an das „Who is Who“ der regionalen Kletterszene ein.
Alex Huber, Stephan Glowacz, Toni Lamprecht, Bruno Vazca, Ulli Lindenthal, Benni Becker, Ralf Grabowsky, Sebastian „Wastl“ Untereglsbacher, Arthur Korte und u.a. auch der Autor dieser Zeilen gesellten sich zu der einmaligen, jährlich stattfindenden Kultveranstaltung dazu. Es traten halbnackte Netzstrumpffetischisten zu Rocky-Horror-Picture auf, regelmäßig wurde der Klassiker „Das – ist – unser – Haus!“ von den Scherben aufgelegt und natürlich donnerte jede Menge Red Chilli und Prodigy in die Arena. Arthur Korte schleuderte sein Shirt in die Zuschauer und präsentierte wie Toni seine Muskelberge. Bruno Vazka setzte die Anwesenden mit seinem ungeschlagenen Feintuning was Technik und Taktik betrifft in Erstaunen und Ralph brillierte mit seinem Fingerstrom. Ich habe mich auch meist ganz wacker geschlagen, aber das war nebensächlich, es ging um viel mehr als nur einen Wettkampf.
Die Mädles brachten bestes Essen zum Spottpreis unters Volk (und nicht wenigeAangehörige des schwachen Geschlechtes zeigten den teilnehmenden Herren, wo es am Plastik lang geht). An den runden Jubiläen gabs auch noch ein gespendetes Fass Bier und es wurde bis in die Nacht hinein gefeiert. Das Ganze gruppierte sich um einen K.O.-Wettkampf (eben den ZHS-Zitzewitz-Bouldercup), der es auch klettermäßig in sich hatte, wer jemals teilgenommen hat, weiß was gemeint ist. Von Zitzewitz war übrigens ein herausragendes, junges, deutsches Klettertalent, der in den 90 Jahren etwa um die Zeit der Installation des ZHS-Bouldercups beim Klettern ums Leben kam. Ca. 2005 nahm an dem Wettkampf sogar ein direkter Angehöriger von Zitzewitz` in der ZHS am Cup teil. Die Gewinner erhielten einen silbernen Zitzewitzpokal, auf dem jedes Jahr der Name des aktuellen Gewinners eingraviert wurde und der somit jedes Jahr weitergegeben wurde. Wer den Pokal (es gab einen für Jungs und einen für Mädels) drei Mal gewonnen hatte, der durfte ihn behalten. Meines Wissens nach gelang das nur einem einzigen Kletterer (Bruno ? oder Ralph?). Nur eine einzige Veranstaltungsserie konnte unter dem Aspekt des Kultstatus, meiner Ansicht nach, mit dem ZHS – von Zitzewitz-Boulderwettkampf jemals konkurrieren: die „Hall of Fame“ in Kufstein (die es hoffentlich auch weiterhin geben wird!!!, oh yes).
Viele eingefleischte Kletterer der Region freuten sich jedes Jahr auf die Teilnahme an diesem kultigen Event. Schon Wochen vorher klingelten die Telefone/später die Handys: „Bist du auch Mitte November in der ZHS dabei?“. Doch über Nacht kam der „Bouumeffekt“. Obwohl der ZHS-Zitzewitzcup wie jedes Jahr bereits Monate vorher in den Münchner Hallen per kopiertem A4 Papier ausgeschrieben wird und auch auf der ZHS-Homepage angekündigt wird und jede bedeutsame Münchner Kletterpersönlichkeit, von der Existenz dieser Veranstaltung Bescheid weiß, schien es für die Betreibern der gerade neu eröffneten Boulderwelt kein Problem zu sein, an genau dem selben Tag ebenfalls einen Boulderwettkampf auszuschreiben. Mit Hilfe von Facebook, Internet und Co wurde von den Boulderweltbetreibern eine große, fette Werbeaktion für eben genau diesen Tag gestartet. Effekt: nur noch 1/3 der TN in der ZHS, die Sponsoren springen in der Folge ab, das wars mit Zitzewitz und Kult in München … so etwas hatte es bis dato in München nicht gegeben … bis sich am Tag der 2. Gilchinger Meisterschaft ein halbes Jahr später, das Spiel fast wiederholt hätte … noch ein dicker, fetter Bouumeffekt hätte es werden können, hat allerdings nicht so ganz geklappt. Warum ich das hier schreibe? Kann ich mich nicht damit abfinden, daß nicht jeder dort erntet, wo er auch gesät hat? Nein, ich bin einfach nur traurig, ich vermisse in diesem graublauen November etwas, nach all den Jahren… + viele Grüße an Tom!
Nov. 11
14

Juliane Wurm auf dem Boulderweltcup München 2011, Olympiastadion, Foto: Nico Altmaier
Auch 2012 wird München seine Ausnahmestellung als „Kletterwelthauptstadt“ behaupten. Nicht nur die meisten qm-künstliche Kletterfläche/Einwohner auch eine Vielzahl an teilweise sehr großen Kletterevents unterstreichen die Schrittmacherrolle der bayerischen Metropole im Klettersport. Mehr dazu auf der Homepage der DAV-Sektionen München & Oberland gibts hier…
Viele Jahre ignorierte die Münchner Abendzeitung die Boomentwicklung des Klettersportes in München. Große Berichte gab es insbesondere bei spektakulären Unfällen. Ein Erscheinungsbild, dem noch mehr (nicht nur Münchner) Printmedien leider nach wie vor zuzuordnen sind. Jetzt hat die Abendzeitung eine Kehrtwende vollzogen. In einer mehrwöchigen Serie berichtet sie über den Klettersport in München.
Der Startbericht ist eine eher allgemeine Einführung. Dazu wurde ich über 1/2 Stunde interviewt. Ein ziemlich gelungener Beitrag war das Ergebnis. Der Redakteur hat sich nicht nur selbst umfassend zum Thema informiert, sondern meine zentralen Aussagen (in einer halben Stunde sagt man wesentlich mehr als in dem Bericht wiedergegeben werden kann) wurden fast perfekt passend eingebaut. Ok, Massone ist nicht ganz so weit weg wie behauptet, ich bin kein erklärter Freeformfan und „München & Oberland“ sind wie der Name schon sagt zwei Sektionen. Über die insgesamt sehr korrekte Art von Berichterstattung freue ich mich jedoch sehr. Wer den Bericht lesen will: aufs „Abendzeitung“-Logo clicken.
Sep. 11
21
Es ist schon einen Monat her. Sarah kommt übernächtigt aus ihrem Kroatienurlaub nach Hause und startet etwas angeschlagen in die Quali am Olympiastadion. Boulder Nr. 1 beweist, daß man unter diesen Umständen keine Chance hat. Sarah quält sich bis zum Bonus vor. Boulder Nr. 2 läßt sie am Topgriff widerholt scheitern. Es schaut nicht gut aus. Denn alle, die ins Halbfinale gelangen könnten, hatten zuvor die beiden ersten Probleme getopt. Dann folgt Boulder Nr. 3. Der mit Abstand schwerste, der nur von ca. 1/2 Dutzend der weltbesten Klettererinnen On Sight bewältigt werden kann. Doch jetzt, wo es um die Wurst geht, packt Sarah den Tiger aus und knipst das Teil im 1. Versuch ab. Beflügelt drückt sie auch die letzten beiden Probleme im On Sight weg. Nach langem Zittern (bis zur letzten Qualiminute) zieht sie zum ersten Mal in einem internationalen Wettkampf ins Halbfinale ein – eine hervorragende Leistung.
Die drei letzten Boulder können auf Vimeo angesehen werden. Leider ist der Film etwas unscharf, denn der Autofocus war nicht eingestellt, gerade auch wegen dem kleinen „Sarahfan“ im Vordergrund nett zum Anschauen (aufs Bild clicken) …
Aug. 11
22

Der Sepplhut
Was kann dieser Sepplhut mit den besten Kletterern der Welt zu tun haben? Nun, ganz einfach, die allermeisten haben ihn schon einmal bei ausgelassener Stimmung auf dem Kopf gehabt. Nicht zu glauben, was? Stimmt aber doch. Zum Finale des Weltcups in München 2010 und vorgestern (2011) tritt das Helferteam von München & Oberland, das ich zusammen mit Carla Bräunig leite, in bayerischer Tracht auf. Zu meiner Rindsledernen pflege ich bei dieser Gelegenheit diesen Sepplhut zu tragen. Und natürlich habe ich diesen Hut auch bei der Happy-End-Party in der VIP-Lounge des Olystadions auf dem Kopf- aber nicht lange. Denn spätestens wenn der Bär auf der Tanzfläche pogt, dann macht dieser Sepplhut die Runde: Kili Fischhuber, Anna Stöhr, Akiyo Noguchi, Tsukuru Hori, der japanische Trainer, Alexey Rubtsov, Stefan Danker, Peter Würth, Sarah Schützenberger, Jan Hoyer, Jule Wurm , Rustam Gelmanow, Guillaume Glairon Mondet , Daniel Woods, Alex Puccio, Moni Retschy, Matze Conrad, Chris Webb-Parsons, Santiago de Alba Flores (ein mexikanischer Newcomer in 2011), das argentinische Team, Sabine Bacher, Katha Saurwein, Mina Markovic, Sammy Adolph, Anthony Gullsten und viele weitere, an die ich mich – wegen der besonderen Umstände – nicht mehr so ganz erinnern kann, haben den Sepplhut in den letzten zwei Jahren getragen. Eine konnte ihn leider nicht mehr tragen: Chloé Graftiaux. Die belgische Ausnahmeklettererin ist 2010 kurz nach dem Weltcup in München am Mont Blanc abgestürzt. Chloé war nicht nur beim Bouldern spitze, sondern auch beim Eisklettern, beim Seilklettern, beim Bigwall, beim Expeditionsklettern, sie war Klettersportlerin durch und durch und sie konnte feiern… Viele haben sie bei aller Freude in der VIP-Lounge sicherlich vermisst.
Filmchen auf BR-online zum Weltcup mit Sarah Schützenberger…
Wieder ein Spitzenfilm von Udo Neumann…
Bericht zum Boulderweltcup mit vielen Links zu weiteren Berichten und Photos…
Aug. 11
19
Am 17. August, vor zwei Tagen, habe ich zusammen mit Michl Hoffmann, meine bis dato schwerste alpine Erstbegehung bewältigt. Ein tragischer Unfall am gegenüber befindlichen Zundernkopf überschattete den Erfolg. 17. August, Zundernkopf, da war doch was? Genau! Am 17. August 1983 bin ich am Oberreintalturm 20 m gestürzt und habe mir sämtliche Knochen gebrochen. Als ich wider zu Sinnen kam, starrte ich ein paar Minuten den Zundernkopf an und rätselte, was das ist, 5 Minuten Generalamnesie. Widerholt rutschte ich in einen lebensbedrohlichen Schockzustand. Ein Rettungsteam aus Bundeswehr und Bergwacht holte mich nach über 2 Stunden mit einem aberwitzigen Hubschraubermanöver aus der Wand (auch heute noch und zum widerholten Mal: ich bin den Jungs, insbesondere den Piloten, dafür unendlich dankbar!). Aber jetzt mal nach vorne schauen: Wir schreiben den 19. August 2011. Finale der Weltelite am Münchner Olympiastadion. Die 100 besten Kletterer der Welt kämpfen um den Weltcuptitel 2011 (über Weichbodenmatten, in Absprunghöhe). Wie bei jedem Sport kann da zwar auch was passieren. Sicherungstechnik und Sicherungsdenken haben aus der Perspektive von 1983 eine schier unglaubliche Steigerung erfahren (was nicht heißt es gäbe nichts mehr zu verbessern). Klettern ist laut Versicherungsstatistiken wesentlich sicherer als Fußball oder Schwimmen. Weltweit wird Klettern von Millionen Freizeitsportlern betrieben. Klettern ist auf dem Weg vom Trendsport zum Breitensport. Das wird sich auch morgen abend zum Finale des Weltcups am Olympiastadion zeigen. 1000de Zuschauer werden zu DEM deutschen Kletterhighlight 2011 am Olympiastadion pilgern um die Spitzenathleten beim Kampf um den Sieg zu beobachten. Großes Kletterkino ist angesagt. Trotz allem, also bis dann…
Aug. 11
18
Mein rechter Unterarm schaut aus, als wenn sich eine Großkatze ihre Krallen daran geschärft hätte. Zum Glück war es nur eine messerscharfe, nadelbesetzte Schuppe in Frisbeegröße. Das gute Stück wollte meinem beherzten Griff in der Schlüsselseillänge unseres Domprojektes nicht standhalten. Nach insgesamt 8 Tagen in 2010 und 2011 in der Oberreintaldom Nordwestwand, haben Michl Hoffmann und ich gestern unser Megaprojekt unter Brüllen und Schreien in Wechselführung endlich erfolgreich abgeschlossen. Dabei hat eine sportliche Route mit 10 teils sehr anstrengenden Seillängen bis 7c in alpinem Ambiente das Licht der Welt erblickt. Wir sind gespannt auf die Zweitbegeher und ihr Einschätzung. Die Freude über unseren Erfolg währte aber nur ganz kurz. Während unserer Erstbegehung brummten beständig Rettungs- und Polizeihubschrauber im Oberreintal. Bei Rückankunft auf der Hütte erfuhren wir, daß zeitgleich ein Kletterer am gegenüberliegenden Zundernkopf tödlich verunglückt war. Starke Freude und starke Trauer so nah beisammen habe ich selten erlebt.
Aug. 11
13

Das 20. Jahrhundert: nicht nur der Klettersport explodierte...
Der Mark 1 Siedewasser ist in #1 bis #5 integriert. Im Moment werden Plastikzelte aufgebaut. Einer der ganz großen Unterschiede zu 86 ist, daß diesmal außer Zeltbau als Abdichtung gegen Regenwasser (Sichtschutz?) nichts mehr gemacht werden kann, das Ganze nimmt ohne wesentlichen Einfluss von aussen seinen unvorhersehbaren Lauf. Unvorhersehbar auch deswegen weil teilweise unbekannte chemische Reaktionen ablaufen. 600.000 Kamikazearbeiter wie anno dunnemal lassen sich heutzutage nicht mehr so einfach abkommandieren…
Der einzige Lichtblick: die unteren (=lokalen) Behörden sabotieren was geht, damit die über 30 Anlagen, die seit 11/3/11 heruntergefahren wurden, nicht wieder in Betrieb genommen werden und: im Gegensatz zu 86 läßt sich das Ganze nicht mehr so einfach unter den Teppich kehren…
Wer noch ein bischen Gehirnjogging machen will, sollte hier clicken…