Aug. 26
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Am 9. August gelang mir meine wohl schönste 8a. Die Dammeh, ein Ausdauerhammer par excellence, natürlich an „meinem“ Hausberg Sebaldstein. Kampf der Sauerstoffschuld, konsequente Fußarbeit, stabil bleiben, präzises Einschleifen und natürlich passende Conditions waren die entscheidenden Faktoren, die den Erfolg sicherten. Eine 8a ist heutzutage nichts Besonderes, aber das trifft nicht auf die Dammeh zu.

Eine 35m kerzengerade, senkrechte Kante garniert mit wunderschönen Moves und einem Bombenfels, das gibts nicht überall. Ich kenne nur die Freedom, die Toni Lamprecht im Februar 1988 an der Plankensteinnadel eröffnete, und die es m.A. in den bayer. Voralpen mit der Dammeh aufnehmen kann. Eigentlich hatte ich mir diese Wahnsinnslinie reserviert, habe sie dann aber an Andi Faessler abgegeben, der den kompakten Fels des Sebaldstein ebenso schätzt wie ich. Andi bohrte die fantastische Kante 2022 ein, befreite sie 2023 und taufte sie auf den Namen Dammeh.

Sowohl Andi als auch ich bennenen Neutouren am Sebaldstein zu Ehren der syrischen Revolution (ab 2011), die sich gegen den ultrabrutalen russischen Statthalter Assad zur Wehr setze. Dammeh ist eine Hommage an die gleichnamige syrische Frauenorganisation, die die Revolution aktiv unterstützte. Was kaum bekannt ist: Frauen haben von Anfang an (also seit 2011) eine bedeutende Rolle in der syrischen Revolution gespielt. An den fast 500 selbstorganisierten Verwaltungen (Local Civil Councels – LCC) der Aufständischen in den befreiten Gebieten waren maßgeblich auch Frauen beteiligt. Vize-Vorsitzende des Nationalen Wiederstandsrates aller syrischen Revolutionären Organisationen war ebenfalls eine Frau (Dima Moussa).

Die landesweiten Demonstrationen der Aufständischen mit 100.000den von Teilnehmenden wurden leitend von Frauen mitredigiert. Gerade Frauen waren es, die den Schmuggel von Medikamenten und Grundnahrungsmitteln in die von Assad belagerten Städte organisierten. Da Frauen unverdächtiger waren, war es ihnen eher möglich an den gefürchteten Straßensperren des Regimes unbeschadet durchzukommen. Es gibt Berichte von alawitischen Frauen (Assad’s Clan ist alawitisch), die die Aufständischen systematisch mit Munition versorgten, da sie an den 1000den von Straßensperren, die über das ganze Land verteilt waren meist nicht kontrolliert wurden. Nicht zuletzt wurde der Betrieb von 100ten von (z.T. geheimen und bisweilen unterirdischen) Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten in den befreiten Gebieten maßgeblich durch Frauen aufrechterhalten. Die Organisation Dammeh engagierte sich insbesondere auch für die Kinder der insgesamt 12 Millionen geflüchteten Syrer. Dennoch wurden auch 1000de revolutionäre syrische Frauen in den Vernichtungseinrichtungen des russisch gesteuerten Regimes grausam ermordet.

Wie auch bei schweren Kletterprojekten, gehört zum Sturz eines brutalen Diktators der lange Atem, das unbeirrbare Durchhalten und der Glaube an den Erfolg trotz aller Widrigkeiten. Die syrische Revolution hat den Blutsauger Assad nach 14 Jahren vom Thron gestürzt. In seinem bekannten Buch unter dem Titel „9 von 10 Kletternden machen die selben Fehler“ schrieb der Trainer Dave McLeod: Gute Kletternde unterscheiden sich von sehr guten Kletternden, dass die Ersteren nach 24 erfolglosen Versuchen aufgeben und die Letzteren im 25. Versuch Erfolg haben.
Andi hat drei Tage nach meinem Erfolg in der Dammeh, sein aktuelles Projekt Oxygen (ca. 8b) am Sebaldstein befreit, die Verlängerung von Muntaha (8a+). Wenn Andi alle Versuche, die er in Amal (7c+/= die 1. Hälfte von Muntaha), Muntaha und Oxygen zusammenzählt, dann kommt er sicherlich auf die von McLeod genannten 25 Go’s ;). Er hat bis zum Schluss an seinen Erfolg geglaubt, wie Millionen Syrerinnen, die 14 Jahre lang unter unglaublichen Entbehrungen ihre Hoffnung auf Freiheit und Selbstbestimmung nie aufgaben. (PS: im neuen Kletterführer Bayerische Alpen Band 3 Bayerischzell bis Mittenwald hat Markus Stadler bereits alle neuen Routen am Sebaldstein – incl. Oxygen – mit Topo aufgeführt).
